Karate als Schule des Lebens 

Viele Karateka, aber auch Praktiker anderer Budo Disziplinen, suchen in ihrem "Sport" ihre ganz persönliche Bestätigung, wollen Anerkennung, jagen nach Erfolgen, streben nach Status. Das ist zwar menschlich und damit auch verständlich, aber hinsichtlich des originären Wesens von Kampf-Kunst als Methode der Charakterschule leider ein gefährliches Missverständnis vom (Karate-) DO.
Oft wird nämlich in Verkennung des eigenen Leistungsstandes, d.h. technischen Könnens, faktischen Wissens und prinzipiellen Verstehens von Karate-DO und in hoffnungsloser Selbstüberschätzung, nur den fadenscheinigen Äußerlichkeiten nachgejagt. Äußerlichkeiten, deren Unwichtigkeit, allenthalben Nebensächlichkeit auf dem Karate-Weg, werden oft nicht erkannt und fälschlicherweise für das Wesentliche gehalten.
Immer wieder werden Siege über Gegner, also Kampf (kumite) oder Wettkampf schlechthin, höher bewertet als das ständige Üben, Erarbeiten, Verbessern, Ausfeilen und Perfektionieren von Technik (ki-hon) und Feilen am ästhetischen, künstlerischen wie individuellen Ausdruck der Bewegungen und Bewegungsprinzipien (kata). Immer wieder werden die sportlichen Aspekte der eigentlichen Kampf-KUNST der unzweifelhaft notwendigen Auseinandersetzung mit den geistigen Inhalten vorangestellt.

Das Verständnis des Karate-DO als Schule fürs Leben und den eigenen Charakter, als lebenslangen Lernprozeß, um via Karate an sich selbst zu arbeiten, schrittweise zu reifen an karatetypischen Aufgaben und deren Bewältigung, ist in den Hintergrund gerückt und gerät offensichtlich zunehmend in Vergessenheit.
Es gehört eine innere Einstellung dazu, sich dem „wahren" Karate-DO zu widmen, die Einstellung nämlich, auch im eigenen Leben in die Tiefe des Seins eindringen zu wollen, sich um den Kern einer Sache zu bemühen, sich Problemen stellen zu wollen, auch und gerade dann, wenn es viel einfacher wäre, diesen Problemen auszuweichen, sie zu umgehen, sie zu verdrängen oder zu bagatellisieren. Es muss im wirklichen Leben wie im wirklichen Karate-DO nach dem Motto „Jetzt erst recht!" gehen. Wenn Schwierigkeiten, Unannehmlichkeiten sich in den Weg stellen, wenn die Leistung z. B. stagniert und Zweifel auftauchen, ob es überhaupt sinnvoll ist, weiter zu machen, zu Ende bringen zu wollen, was man angefangen hat, heißt es: „Nicht aufgeben!". Das ist das Wesen des DO. Karate-DO braucht diese unbeirrbaren, starken Persönlichkeiten, und, wenn der Lehrer kein Trainer, sondern ein echter Sensei ist, bringt Karate-DO diese auch hervor.

Sich den Problemen stellenWas_ist_Karate_-_Sich_den_Problemen_stellen.html
Karate als Schule des Lebens
Unterschiedliche WegeWas_ist_Karate_-_Unterschiedliche_Wege.html
Harte ArbeitWas_ist_Karate_-_Harte_Arbeit.html
Jagd nach AnerkennungWas_ist_Karate_-_Jagd_nach_Anerkennung.html
Die 20 VerhaltensregelnWas_ist_Karate_-_Die_20_Dojoregeln.html