Sich den Problemen stellen
Irgendwann muss man sich die Frage stellen, wie man sein Leben eigentlich leben will. Möglichst einfach, problemlos und unkompliziert, so lala und larifari, oberflächlich und banal? Oder sich den Problemen und Herausforderungen stellend, Hürden nehmen wollen, um in der Meisterung der Aufgaben zu wachsen, ohne in einer Niederlage wirklich zu kapitulieren, sich mit Kritik auseinandersetzen, Schwachstellen nicht verdecken zu wollen?
Karate-DO ist eine Möglichkeit, ja sogar eine systematische Methode, sich selbst zu überprüfen und nachzudenken, ob man sich bereits (ohne es vielleicht schon gemerkt zu haben) für die eine oder andere Lebensart (Lebensphilosophie und -praxis) entschieden hat. Wer sich beispielsweise dabei ertappt, Gürtelprüfungen am liebsten bei solchen Prüfern abnehmen zu lassen, (die im Ruf stehen, auch mal ein Auge zuzudrücken, großzügiger zu sein als andere, läuft Gefahr, Karate-DO und sich selbst als Karateka völlig zu verkennen, falsch zu machen, was nur falsch zu machen geht. Wer daran interessiert ist, seinen Gürtel möglichst leicht zu bekommen, wer es scheut, sich und seine Leistung von „schwierigen" Prüfern überprüfen zu lassen, will sich eigentlich nicht wirklich den wesentlichen Anforderungen des Karate-DO stellen, sondern nur möglichst schnell seine neue Gürtelfarbe (zur Schau) tragen. Ein solches Verhalten und diese Einstellungen gefährden das „wahre" Karate-DO. Sie verstellen einem leicht den Blick dafür, worum es im DO eigentlich geht: Genau um diese Herausforderung nämlich, das Schwierigste schaffen zu wollen und nicht das Leichteste. Andernfalls betrügt man sich selbst, betreibt kein Karate-DO, sondern schlichtweg simples Hobby-Karate. Das ist nicht schlimm - es ist eben nur kein Karate-DO.