Unterschiedliche Wege
Das Wesen des Karate-Weges kann man sich am folgenden Beispiel, das sich mit einem konkreten Karate-Ziel befasst,vor Augen halten, nämlich der Erlangung des Schwarzgurtes. Es gibt unterschiedliche Wege, seinen Schwarzgurt (was natürlich noch fataler ist als Schülergraduierungen) zu bekommen: Man kann ihn, ohne jemals eine Prüfung absolviert zu haben oder sogar ohne jemals Karate betrieben zu haben, sich einfach im Geschäft kaufen. Man kann ihn auch bei unseriösen Organisationen gegen eine „Spende" erhalten. Man kann sich selbst in einer „Sching-Schang-Schong"-Stilrichtung zum Schwarzgurt graduieren, sogar zum x-ten Dan. Man kann so tun, als hätte man bei irgendeinem Großmeister, in irgendwelchem Land seine Dan-Prü-fung abgelegt, obwohl die Umstände dubios, undurchsichtig und nicht nachprüfbar bleiben. Oder man macht sie bei Prüfern, die - wie gesagt - auch mal ein Auge zudrücken, um seinen Schwarzgurt möglichst leicht zu erhalten. Oder man macht seine Dan-Prüfung tatsächlich bei besonders namhaften, anerkannten wie kritischen Experten.
Alle diese erwähnten Dan-Träger scheinen äußerlich gleich zu sein, eben Dan-Trä-ger mit „beeindruckendem" schwarzem Gürtel um die Hüfte. Doch was hinter den jeweils unterschiedlichen Wegen steckt, Schwarzgurt zu wer-den, ist das Entscheidende, das einzig Ausschlaggebende. Wer ist der „echte", „wahre" Dan-Träger? Nur der Letztgenannte, der, der sich wirklich stellt, ist wahrer Karateka, ist wahrer Dan-Träger und darf als solcher erachtet, geachtet und ernstgenommen werden. Alle anderen betrügen nicht nur die anderen, sondern immer auch sich selbst. Schlimmstenfalls betrügen sie mit rein finanziellen Interessen ihre Schüler, die auf die falschen Meister reingefallen und ihnen ausgeliefert sind. Das Problem ist, dass die Frage um das wahre Bestehen, um das wirkliche Verdienen des Dan-Grades immer in erster Linie nur vom Betreffenden selbst und seinem eigenen Gewissen gestellt und beantwortet wird, weil dies für Außenstehende leider oft erst auf den zweiten Blick beurteilt werden kann. Um das „mehr Schein als Sein" weiß oft nur der Betroffene, der „Betrüger" selbst.